Ethan Mollicks Überlegungen in „On holding back the strange AI tide“ liefern ein starkes Argument dafür, dass die üblichen Ansätze für KI in Unternehmen deutlich am transformativen Wesen dieser Technologie vorbeigehen. Mollick stellt die verbreiteten Strategien infrage, KI zu ignorieren, zu verbieten oder zu zentralisieren, und zeigt, dass sich das volle Potenzial der KI so nicht nutzen lässt.
Sich auf die transformative Kraft der KI einlassen
Unternehmen müssen erkennen, dass KI mehr ist als die nächste Welle technischen Fortschritts: Sie ist ein Paradigmenwechsel in der Art, wie Arbeit erledigt werden kann. Die herkömmlichen Methoden, die Auswirkungen von KI zu kontrollieren, zeigen, dass es einen offeneren und neugierigeren Ansatz braucht. Auf das Potenzial von KI, verschiedene Bereiche von Wirtschaft und Bildung zu revolutionieren, sollte man sich einlassen, statt es einzudämmen.
Die Schwächen der aktuellen Ansätze
- KI ignorieren: Wer die Präsenz von KI am Arbeitsplatz ignoriert, erreicht nur, dass Mitarbeitende sie heimlich nutzen. So entstehen „heimliche Cyborgs“, die ihre Arbeit ohne offizielle Billigung mit KI-Werkzeugen verbessern. Durch diese ungeregelte Nutzung können Organisationen Chancen verpassen.
- KI verbieten: Ein Verbot ist eine praxisferne Reaktion. Es stoppt die Nutzung nicht und nimmt der Organisation mögliche Vorteile.
- KI zentralisieren: Wird KI innerhalb einer Organisation zentralisiert, entsteht oft eine verwässerte, weniger wirksame Version, die die Fähigkeiten der Technologie nicht voll ausschöpft.
Das bestätigt auch eine Studie von Salesforce, für die über 14.000 Beschäftigte weltweit befragt wurden. Salesforce und YouGov führten die Umfrage gemeinsam durch, anonym und online, über zwei Wochen vom 18. bis zum 31. Oktober 2023. Teilgenommen haben Beschäftigte von Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branchen in 14 Ländern, darunter die USA, Großbritannien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande, die Schweiz, die nordischen Länder, Indien, Japan, Brasilien, Mexiko und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Die Zahlen sprechen für sich:
- 28 % nutzen generative KI derzeit bei der Arbeit.
- 64 % haben Arbeit von generativer KI schon als ihre eigene ausgegeben.
- 41 % würden in Erwägung ziehen, ihre Fähigkeiten im Umgang mit generativer KI zu übertreiben, um sich eine berufliche Chance zu sichern.
- 39 % sagen, ihr Arbeitgeber habe keine klare Meinung zum Einsatz von KI am Arbeitsplatz (oder es sei ihm egal).
- 70 % geben an, noch nie eine Schulung dazu absolviert oder erhalten zu haben, wie man generative KI bei der Arbeit sicher und ethisch einsetzt.
Ein neuer Ansatz: KI-Innovation demokratisieren
Mollick schlägt vor, einzelne Mitarbeitende zu befähigen, mit KI zu experimentieren und Neues zu entwickeln. Dieser Ansatz von unten kann dazu führen, dass die Technologie kreativer und wirksamer eingesetzt wird.
- Organisationsstrukturen überdenken: Unternehmen sollten ihre Strukturen und Richtlinien überdenken und auf die Eigenheiten von KI ausrichten: weg von der herkömmlichen zentralen Kontrolle, hin zu einem stärker verteilten Innovationsmodell, das von den Mitarbeitenden getragen wird.
- Ethische Fragen und Schulungen: Wenn Unternehmen zum Experimentieren mit KI ermutigen, müssen sie sich auch um ethische Fragen kümmern und für ausreichende Schulungen und Leitlinien sorgen, damit KI verantwortungsvoll genutzt wird.
Fazit
Es ist Zeit, dass Unternehmen ihren Umgang mit KI überdenken. Wer sich auf die seltsamen und transformativen Fähigkeiten von KI einlässt und eine Kultur der Innovation und des Experimentierens fördert, kann neue Möglichkeiten erschließen und in einem technologischen Umfeld, das sich ständig verändert, die Nase vorn behalten. Über die Verbesserung bestehender Prozesse hinaus geht es bei KI in Unternehmen künftig darum, diese Prozesse völlig neu zu denken.
Die Entwicklung der KI und die Arbeitsplätze: Ist es diesmal anders?
Aus dem Englischen übersetzt: zum Originalbeitrag