End_of_SaaS

Das Ende von SaaS, wie wir es kennen?

In einem aktuellen Interview meinte Satya Nadella von Microsoft, dass SaaS-Anwendungen (Software as a Service) wahrscheinlich von KI-Agenten abgelöst werden. Dieses Muster zeigt sich schon seit einiger Zeit immer wieder. Auf Microsofts Konferenz Ignite 2024 stellte Nadella eine Reihe KI-gestützter „autonomer Agenten“ vor, die Aufgaben im Auftrag der Nutzer erledigen sollen. Das deutet auf einen Wechsel zu intelligenteren digitalen Assistenten hin, die von sich aus aktiv werden.

Diese KI-Agenten sollen selbstständig arbeiten und komplexe Aufgaben übernehmen: Kundenretouren bearbeiten, Versandrechnungen verwalten, Abläufe in der Lieferkette optimieren. Diese Entwicklung soll Effizienz und Produktivität steigern, indem die KI Geschäftsprozesse mit minimalem menschlichem Eingriff ausführt und orchestriert.

In Nadellas Vision gehören KI-Agenten fest zum Arbeitsplatz, als persönliche Assistenten und als Partner im Team. Dahinter steht ein breiterer Branchentrend zu „Agentic AI“: KI-Systeme, die eigenständig handeln können, Entscheidungen treffen und Aktionen ausführen, ohne dass ein Mensch sie laufend überwacht.

Die Einführung dieser KI-Agenten ist eine deutliche Abkehr von klassischen Software-as-a-Service-Modellen (SaaS), bei denen in der Regel der Nutzer den Anstoß gibt und mit der Anwendung arbeitet. KI-Agenten dagegen können Aufgaben von sich aus erledigen, Bedarf vorhersehen und Arbeitsabläufe straffen. Damit sinkt möglicherweise die Abhängigkeit von herkömmlichen SaaS-Anwendungen.

Wie wird KI die Geschäftsanwendungen verändern?

Heutige Geschäftsanwendungen sind im Grunde Datenbanken mit Geschäftslogik und einer grafischen Oberfläche darüber, die von Menschen bedient wird. Das werden sehr wahrscheinlich KI-Agenten ablösen, die zur wichtigsten Schnittstelle werden. Diese Agenten sind nicht an das Backend einzelner Anwendungen gebunden. Sie greifen auf mehrere Datenbanken zu und aktualisieren sie, während die eigentliche Logik in der KI-Schicht liegt.

KI-gesteuerte Logik: Die Geschäftslogik von SaaS-Anwendungen wandert in die KI-Schicht. Die KI übernimmt also die Kernfunktionen, und das Backend der jeweiligen Anwendung verliert an Bedeutung oder wird sogar überflüssig.

Intensivere Nutzung: Mit KI können Nutzer Daten leichter abfragen und abrufen. Statt dass einzelne Nutzer Daten von Hand eingeben, können KI-Agenten das erleichtern, indem sie Informationen aus verschiedenen Quellen zusammentragen.

Monetarisierung über Konnektoren: Wenn KI-Agenten mit verschiedenen Plattformen arbeiten, braucht es wahrscheinlich Schnittstellen zwischen Agenten und Anwendungen, unter Umständen mit Lizenzvereinbarungen. Wer in einem System etwas auslösen oder Daten daraus holen will, bräuchte dann eine lizenzierte Schnittstelle. Das erinnert daran, wie Anwendungen früher Interrupts gehandhabt haben.

Neue KI-native Apps: Die Nachfrage nach KI-nativen Geschäftsanwendungen, deren Logikschicht von KI-Agenten gesteuert wird, wächst. SaaS-Anbieter müssen ihren Ansatz also umstellen und KI-Funktionen an die erste Stelle setzen.

KI-Agenten als organisierende Schicht: KI-Agenten werden zur Benutzeroberfläche für KI und zugleich zur organisierenden Schicht. Die Nutzer arbeiten mit der KI, und die KI arbeitet mit den verschiedenen Anwendungen. Viele Nutzer werden deshalb womöglich seltener direkt mit ihren Anwendungen arbeiten als bisher und stattdessen mit dem KI-Agenten.

Bestehende Werkzeuge neu gedacht: KI verändert, wie wir über vorhandene Software wie Excel denken. Nutzer können zum Beispiel direkt in Oberflächen arbeiten, die KI-Agenten bereitstellen. Werkzeuge wie Excel laufen dann im Hintergrund, für die Nutzer unsichtbar, und dienen oft als Behälter für Daten und zum Teilen mit anderen.

Fazit

Alles deutet also auf eine Zukunft ohne SaaS, wie wir es heute kennen, in der KI-Agenten als wichtigste Schnittstelle dienen und die Prozesse orchestrieren. Der Schwerpunkt verlagert sich weg von den Silos einzelner Anwendungen und hin zu einem stärker integrierten, KI-gesteuerten Arbeitsablauf, in dem die KI-Schicht einen großen Teil der Kernfunktionen übernimmt, für die bisher die Anwendung zuständig war.

Klassische Werkzeuge wie Word, Excel und PowerPoint werden zwar weiterhin eine Rolle spielen, doch als Produktivitätshelfer verlieren sie vielleicht an Gewicht, wenn KI-Agenten das Erstellen von Inhalten, die Analyse und die Präsentation übernehmen. Sie entwickeln sich zu Plattformen, auf denen man KI-Ergebnisse prüft, bearbeitet und teilt, und das könnte den modernen Arbeitsplatz deutlich verändern.

Foto von Miguel Á. Padriñán

Aus dem Englischen übersetzt: zum Originalbeitrag

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