Citizen Development macht Mitarbeitende ohne IT-Ausbildung zu Softwareentwicklern. Sie arbeiten mit NoCode/LowCode-Plattformen (LCNC), mit denen sie Geschäftsanwendungen erstellen können. Durch diese Art der Softwareentwicklung werden Mitarbeitende zu Citizen Developern, auch ohne formale Ausbildung.
In diesem Zusammenhang sind KI-Werkzeuge wie Cursor und Replit zu zentralen Hilfsmitteln für Citizen Developer geworden und verändern die Softwareentwicklung deutlich. Sie sollen Programmieraufgaben vereinfachen, die Produktivität steigern und die Softwareentwicklung zugänglicher machen.
Was ist Cursor?
Cursor ist ein Code-Editor mit KI-Unterstützung, der die Entwicklung schneller und besser macht. Er baut auf Visual Studio Code (VS Code) auf und fügt sich nahtlos in die Arbeitsabläufe von Entwicklern ein, die VS Code kennen[1]. Zu seinen herausragenden Funktionen gehören intelligente Code-Vervollständigung, ein kontextbezogener Chat, KI-gestütztes Bearbeiten und ein umfassendes Verständnis der Codebasis[9]. Besonders stark ist er beim Schreiben und Verbessern von Unit-Tests, beim Vorschlagen von Testfällen und beim Aufspüren von Stellen, die eine bessere Testabdeckung brauchen[10]. Die KI-Funktionen von Cursor verkürzen die Zeit für wiederkehrende Aufgaben, sodass sich Entwickler auf die komplexeren Teile ihrer Projekte konzentrieren können. Besonders nützlich ist der Editor für erfahrene Entwickler, die produktiver werden wollen[1]. Außerdem gibt es mehrere Abo-Stufen: eine kostenlose Hobby-Stufe mit eingeschränktem Funktionsumfang, eine Pro-Stufe für 20 Dollar pro Monat mit mehr Möglichkeiten und eine Business-Stufe für 40 Dollar pro Nutzer und Monat mit erweiterten Funktionen und Teamverwaltung[10].
Was ist Replit?
Replit ist eine integrierte Online-Entwicklungsumgebung (IDE), die alle ihre Werkzeuge in einem einheitlichen System verbindet und Entwicklern so alles aus einer Hand bietet. Replit wurde 2016 gegründet und hat eine benutzerfreundliche Oberfläche, die durch den Programmierprozess führt. Das macht es besonders für Einsteiger interessant und für alle, die an kleineren, Python-basierten Projekten arbeiten[11][12]. Sein hochmodernes Sprachmodell ist auf mehr als 15 der wichtigsten Programmiersprachen trainiert. Nutzer können damit Websites, Automatisierungen, interne Tools und mehr in jeder Programmiersprache erstellen und bereitstellen und brauchen dafür weder Einrichtung noch Downloads oder zusätzliche Werkzeuge[13]. Eine der wichtigsten Funktionen von Replit ist das nahtlose Deployment: Mit einem Klick geht es schnell vom Code in die Produktion[11]. Das ist vor allem für Entwickler von Vorteil, die ihre Anwendungen rasch als Prototyp bauen und ausrollen wollen. Die begrenzte Framework-Unterstützung von Replit kann allerdings für erfahrenere Entwickler ein K.-o.-Kriterium sein, wenn sie mehr Frameworks und mehr Anpassungsmöglichkeiten brauchen[11].
Vorteile für Citizen Developer
KI-gestützte Low-Code/No-Code-Plattformen, wie sie Cursor und Replit anbieten, revolutionieren die Art, wie Citizen Developer Anwendungen bauen. Diese Werkzeuge nutzen Algorithmen des maschinellen Lernens, um Arbeitsabläufe zu optimieren, die Bedürfnisse der Nutzer vorherzusehen und personalisierte Empfehlungen und Hilfestellung zu geben. Dadurch wird die Entwicklung intuitiver und anpassungsfähiger[3]. Cursor kann zum Beispiel eine Codebasis analysieren, Verbesserungen vorschlagen und sogar die Ausführung von Tests automatisieren, was den manuellen Aufwand in der Softwareentwicklung deutlich verringert[14]. Außerdem sehen Citizen Developer auf diesen Plattformen alles auf dem Bildschirm in einfacher Sprache, während die KI-Werkzeuge beim Zusammenstellen der Anwendung den zugrunde liegenden Code für sie schreiben[15]. Das macht die Entwicklung zugänglicher und versetzt auch Nicht-Entwickler in die Lage, anspruchsvolle Softwarelösungen zu bauen.
Neue Rollen und Verantwortlichkeiten
Früher war die IT für die gesamte Softwareentwicklung zuständig, von der Anforderungserhebung bis zum Deployment. Heute haben IT-Abteilungen immer öfter die Aufgabe, Citizen Development zu ermöglichen und zu steuern: Fachanwender ohne technischen Hintergrund erstellen dabei ihre eigenen Anwendungen mit KI-gestützten Low-Code/No-Code-Plattformen.
Die wichtigsten Rollenänderungen für IT-Abteilungen:
- Sicheren Zugang zu Low-Code/No-Code-Plattformen und -Werkzeugen bereitstellen: Zur Rolle der IT gehört jetzt, Plattformen wie Cursor oder Replit auszuwählen und den Zugang dazu zu verwalten.
- Governance-Frameworks festlegen: Die IT ist nicht mehr nur Softwareentwickler, sondern auch Governance-Instanz. Die Governance-Frameworks gewährleisten Sicherheit, Datenschutz und Compliance und lassen den Fachanwendern zugleich genug Spielraum für Innovation.
- Schulung und Support anbieten: Statt sich nur um technischen Support zu kümmern, investieren IT-Abteilungen jetzt in die Weiterbildung der Mitarbeitenden. Sie schulen sie darin, diese Plattformen wirksam zu nutzen, damit Fachanwender robuste Anwendungen erstellen können.
Die wichtigsten Änderungen für Fachanwender:
Die Demokratisierung der Anwendungsentwicklung bedeutet, dass Mitarbeitende ohne technischen Hintergrund jetzt selbst Anwendungen erstellen können, die auf die Bedürfnisse ihrer Abteilung zugeschnitten sind. Mit intuitiven Drag-and-Drop-Werkzeugen und vorgefertigten Vorlagen entwickeln Mitarbeitende in Abteilungen wie Marketing, HR oder Operations ihre eigenen Lösungen. Das verringert ihre Abhängigkeit von der IT deutlich, verkürzt Projektlaufzeiten und macht sie agiler.
- Weniger Abhängigkeit von der IT: Fachanwender müssen nicht mehr warten, bis die IT ihre Anfragen im Entwicklungs-Backlog priorisiert. Sie können selbstständig schnelle Prototypen und sogar produktionsreife Anwendungen bauen.
- Bessere Zusammenarbeit zwischen IT und Fachbereichen: Weil sich die IT jetzt auf Governance und Integration konzentriert, arbeitet sie enger mit den Fachbereichen zusammen, damit diese selbst entwickelten Anwendungen zur übergreifenden Unternehmensarchitektur und zu den Compliance-Anforderungen passen.
- Schnellere Innovation: Wenn Fachanwender selbst Apps entwickeln, können Unternehmen neue Lösungen rasch als Prototyp bauen und ausrollen und schnell auf veränderte Marktbedingungen oder interne Bedürfnisse reagieren.
Der Fokus der IT auf Compliance und Integration
Je mehr Fachanwender ihre eigenen Anwendungen bauen, desto mehr wird die Integration in bestehende Unternehmenssysteme zu einer Hauptaufgabe der IT. IT-Teams müssen sicherstellen, dass diese von Citizen Developern gebauten Apps keine Sicherheitsrisiken oder Compliance-Probleme mit sich bringen. Dazu gehört:
- Datensicherheit überwachen: Daten, die zwischen den von Fachanwendern gebauten Apps und den Unternehmenssystemen fließen, müssen sicher sein und den regulatorischen Vorgaben entsprechen.
- Systemintegrität wahren: Die IT muss sicherstellen, dass Anwendungen von Nutzern ohne technischen Hintergrund die Systemleistung nicht beeinträchtigen und keine Schwachstellen in das übrige IT-Ökosystem bringen.
- Wiederverwendbare Komponenten schaffen: IT-Abteilungen erstellen oft standardisierte Komponenten (z. B. APIs, Konnektoren), die Fachanwender in ihren Apps nutzen können, damit die Integration mit Backend-Systemen wie CRM, ERP oder Cloud-Diensten reibungslos läuft.
Die Zukunft der IT-Abteilungen
Künftig wird die IT eher ein strategischer Partner der Fachbereiche sein und sich auf Governance, Sicherheit und Compliance konzentrieren, während die Fachanwender durch Citizen Development eine aktivere Rolle bei der Innovation übernehmen. Ob dieses neue Modell aufgeht, hängt davon ab, wie gut die IT Nutzer ohne technischen Hintergrund unterstützen und zugleich die Einhaltung der Governance-Frameworks sicherstellen kann.
Alles in allem eröffnet der Wechsel von der IT als alleiniger Entwicklerin zur IT als Ermöglicherin und Aufsicht der Softwareentwicklung den Unternehmen neue Möglichkeiten für Innovation, Tempo und Effizienz. Er bringt aber auch die Verantwortung mit sich, Standards für Sicherheit, Compliance und Integration einzuhalten, damit Citizen-Development-Initiativen die IT-Systeme ergänzen und nicht gefährden.
Aus dem Englischen übersetzt: zum Originalbeitrag